Hier sang Björk für ein warmes
Essen – der Nachtclub Kir wird 20, feiert und zieht um
Es
war ein Einstand nach Maß: Als das Kir im August 1983 zum ersten Mal seine
Pforten öffnete, standen 3000 Menschen vor der neuen Diskothek und
Konzertstätte.
Problem: Nur 500 Personen passten rein. HVV-Busse
kamen nicht mehr durch. Die Polizei musste den Verkehr umleiten. Und das,
obwohl der Laden sich damals noch in Poppenbüttel,
der Diaspora des Hamburger Nachtlebens, befand. Nun wird der erste
Independent-Club der Stadt - nach einem Brand seit 1984 an der Max-Brauer-Allee
beheimatet - 20 Jahre alt und feiert das die gesamte kommende Woche. DJs aus frühen Tagen legen auf. Freitag und Sonnabend wird
ab 18 Uhr im Garten gegrillt. Alte Platten werden verlost. Getränke gibt es zu
Preisen der 80er Jahre.
Die Feierlichkeiten läuten gleichzeitig den Abschied von den alten
Räumlichkeiten und dem Standort an der Sternbrücke ein: Im Oktober weicht der
schwarz-weiß in einem Muster à la Keith Haring
bemalte Kult-Kasten einem Wohnprojekt und zieht in ein altes Fabrikgebäude an
einem noch geheim gehaltenen Ort in Altona.
Zurück bleiben Erinnerungen an frühe Gastspiele von Legenden aus New Wave, Punk
und Pop: Die Ärzte, Sisters Of Mercy,
Housemartins, Front 242, Cocteau Twins
und Björk spielten hier. Letztere sang Mitte der 80er Jahre mit ihrer damaligen
Band Kukl hochschwanger für eine Schlafgelegenheit,
ein warmes Essen und ein paar hundert Mark. Robert Smith kam wiederum nach
einem Konzert seiner Gruppe The Cure
als Gast, trank und übergab sich schließlich vor der Tür.
Auch sonst tickten die Uhren hier stets etwas anders. So sieht Kir-Gründer
Clemens Grün (43) im damaligen Programm noch heute einen "geglückten
Angriff auf die einseitige Blues-Rock-Tradition" der Hamburger
Club-Kultur: "Ich habe den Laden nur aufgemacht, um selbst zu aktueller
Musik tanzen zu können", blickt Grün, auch Initiator der Mopop-Seite der Hamburger Morgenpost, zurück. Sein
ehemaliger 200-Quadratmeter-Schuppen zwischen Autohändler und Tankstelle gehört
seit 1990 dem Ex-Musikanlagen-Verleiher Michael Westeroth
(43). Dessen Konzept: Britpop, Gothic,
80er Jahre und Gay-Pop bei einfachem Inventar und
familiärer Atmosphäre: "Bei uns muss sich niemand von einem Türsteher
bedroht fühlen."
Timo Hoffmann